
Westportal der Liebfrauen-Basilika
Im Westportal der Liebfrauen-Basilika standen über Jahre, wie in vielen gotischen Kirchen, die allegorischen Figuren von Ecclesia (Kirche) und Synagoge (Judentum) in der typisch mittelalterlichen Gegenüberstellung einer triumphierenden und einer gescheiterten und blinden Frauengestalt.
Durch solche und ähnliche Darstellungen wurden Juden von Christen über Jahrhunderte auf schmähliche Weise herabgewürdigt.
Auch wenn die katholische Kirche die Juden heute als ihre „älteren Geschwister“ (Papst Johannes Paul II.) ehrt, gehören die Pogrome, die es auch gegen jüdische Mitbürger in der Vergangenheit – auch in Trier – gab, ebenso zur leidvollen gemeinsamen Geschichte, wie der millionenfache Mord an europäischen Juden durch die Nationalsozialisten – auch an Trierer Juden. Bis auf den heutigen Tag sind Polizeiwachen vor Synagogen – auch in Trier – ein trauriger Hinweis auf Antisemitismus in Teilen unserer Gesellschaft.
Die Generalsanierung des Westportals der Liebfrauen-Basilika nimmt die Pfarrei Liebfrauen zum Anlass, sich mit dem beschämenden Erbe dieser beiden Figuren aus unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen. Ziel ist es, das Bewusstsein und die Verantwortung für die gemeinsame Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Juden und Christen zu schärfen. Dazu gab es 2023/2024 eine siebenfältige öffentliche Vortragsreihe, die hier dokumentiert ist: www.liebfrauen-trier.de/darueber-muessen-wir-reden
Nach Abschluss der Sanierung wird in einem zweiten Projektschritt die Frage der ursprünglichen Standorte der Figuren zu klären sein. Erst dann können die Gremien der Pfarrei in Abstimmung mit dem Denkmalschutz und unter Würdigung der Einsichten aus der Vortragsreihe entscheiden, wo Ecclesia und Synagoge künftig ihren Platz finden.


